DozentInnen der Bremer VHS





Relevante Infos für VHS-KursleiterInnen

Ein nicht unerheblicher Teil der VHS-Dozentinnen und -Dozenten ist für ihren Lebensunterhalt auf ihr VHS-Honorar angewiesen. Sie arbeiten nicht nebenberuflich und sind als sogenannte freie Lehrkräfte sozialversicherungspflichtig. Dies dürfte mindestens 10% der VHS-Dozentinnen und –Dozenten betreffen.

Von einer Nebentätigkeit an der VHS ist in der Regel bei bis 5 Unterrichtsstunden / Woche auszugehen, wenn die betroffene Person daneben noch eine sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerbeschäftigung hat oder verbeamtet ist.

Die allgemeine Sozialversicherungspflicht für Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung tritt bei Beschäftigungen mit mehr als 450€ Einkommen im Monat (oberhalb einer geringfügigen Beschäftigung / Minijob) in Kraft.

Es ist von einer Sozialversicherungspflicht für freiberufliche Honorar-Lehrkräfte ab 450€ /Monat auszugehen.

Die Beschäftigungsbedingungen von Honorar-Lehrkräften und angestellten Lehrkräften an der VHS unterscheiden sich fundamental – zum großen Nachteil der Honorar-Lehrkräfte, die für ihren Lebensunterhalt auf ihre Dozenten-Honorare angewiesen sind:

Bei einem Brutto-Honorar von 23€ /Unterrichtsstunde (seit 1.1.2018) bleibt für nicht-nebenberuflich beschäftigte VHS-Lehrkräfte von dem Honorar bei Abzug aller Unkosten entsprechend einer Arbeitnehmertätigkeit nur 7,71 € brutto /Arbeitsstunde übrig.

VHS-Dozentinnen und –Dozenten müssen ihre gesamten Sozialversicherungsbeiträge alleine (Arbeitnehmeranteil plus Arbeitgeberanteil) von ihrem Honorar zahlen - der Arbeitgeber/Auftraggeber zahlt nichts.

Abgezogen werden die vollen Sozialversicherungsbeiträge (RV, KV, PV, ALV) in Höhe von 38,45%. So bleiben bei einem Honorar von 23€ ganze 14,15€ übrig. Zieht man davon noch Rücklagen für Urlaub (ca. 13%), für gesetzliche Feiertage (ca. 3,9%), für Krankentage (ca. 4%) ab - bei Arbeitnehmern wird das bezahlt, bleiben 9,34€ Netto-Arbeitslohn für eine Unterrichtsstunde. Allerdings ist eine Unterrichtsstunde mehr Arbeit als eine Stunde: mit Vor- und Nachbereitung muss man mindestens 1,5 Arbeitsstunden rechnen, das entspricht einem Netto-Arbeitslohn vor Steuern pro Zeitstunde von 6,23€. (9,34€ : 1,5 = 6,23€)

Im Vergleich entspricht dies einem Brutto-Stundenlohn als Arbeitnehmer von 7,71€ für eine qualifizierte Tätikeit als Lehrkraft!

Dagegen beträgt der gesetzliche Mindestlohn für Arbeitnehmer z.Zt. 8,84 € /Stunde brutto (ab 1.1.2019 voraussichtlich 9,19€)! Im öffentlichen Dienst beträgt der tarifliche Mindestlohn für „einfachste Tätigkeiten“ im TVÖD sogar 10,57€ /Stunde.

Die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes TVÖD und TVL haben in ihren Entgeltordnungen eindeutig definiert, welche Kriterien Lehrkräfte für welche Entgeltgruppe erfüllen müssen. Sie reichen von EG 7 bis EG 15. In Entgeltgruppe 7, die Bezugsgröße für das Mindesthonorar für VHS-Lehrkräfte, sind Lehrkräfte in der Tätigkeit von Fachlehrern eingeordnet.

Würden entsprechend TVÖD Unterrichtstätigkeiten an Honorarkräfte in der Tätigkeit von Fachlehrern mit der Mindestvergütung vergeben, müsste bei nicht-nebenberuflichen VHS-DozentInnen ein Honorar von mindestens 47,67€ /Unterrichtsstunde gezahlt werden um den entsprechenden gesetzlichen und tariflichen Mindestbedingungen für ArbeitnehmerInnen im öffentlichen Dienst zumindest weitgehend zu genügen.

 Die grundsätzlichen Forderungen der VHS-DozentInnen sind:

  1. Erhöhung des Mindest-Honorars auf mindestens 35 € (Stand 2017) und regelmäßige Honorarerhöhungen entsprechend TVÖD,     
  2. Soziale Absicherung insbesondere in Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung durch volle „Arbeitgeberanteile“ der VHS zu den Sozialversicherungen,
  3. Honorar-Fortzahlung bei Krankheit, Mutterschutz, Pflegezeiten, Feiertagen, Urlaub und Bildungszeit entsprechend der gesetzlichen und tariflichen Regelungen für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst,
  4. Kursausfallhonorar,
  5. Jahressonderzahlung und Zusatzversorgung (VBL) entsprechend der tariflichen Regelungen für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst,
  6. Angebot der Festanstellung bei Regeltätigkeit.

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  • 10/2016 Bremer Erklärung des Bürgermeisters zu den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Bereich des bremischen öffentlichen Dienstes

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    Aktuelle Tipps

    09/2018 Thema Rentenversicherung

    Wann bin ich als freiberufliche VHS-DozentIn rentenversicherungspflichtig?
    Als „freie Lehrkraft“ bin ich ab einem jährlichen „Arbeitseinkommen“ von 5.400 € verpflichtet die vollen Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen. Bei Selbstständigen in anderen Bereichen gilt das bisher noch nicht, soll aber geändert werden.

    Wieviel muss ich als freiberuflicher VHS-Dozent für die gesetzliche Rentenversicherung zahlen?
    Als „freie Lehrkraft“ muss ich die die vollen Beiträge von zur Zeit 18,6% zahlen – also nicht nur den halben Arbeitnehmerbeitrag.

    Ist ein niedrigerer Prozentsatz für meinen Rentenversicherungsbeitrag möglich?
    Ja, der VHS-Kursleiterrat verhandelt über eine Vereinbarung, dass die Bremer VHS ab 1.1.2020 für „arbeitnehmerähnlich Beschäftigte“ (mehr als eine halbe Vollzeitbeschäftigung oder mehr als die Hälfte des Erwerbseinkommens bei der Bremer VHS) einen zusätzlichen Zuschuss zum Honorar in Höhe der hälftigen Sozialversicherungsbeiträge (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung) zahlt.

    Wie berechnet die Rentenversicherung das „Arbeitseinkommen“?
    Als „Arbeitseinkommen“ im Sinne der Rentenversicherung gilt nur der steuerrechtliche Gewinn – also Honorare abzüglich der Betriebsausgaben. Der steuerfreie Ehrenamts- oder „Übungsleiter“-Freibetrag von 2.400 € zählt dabei nicht zum Arbeitseinkommen.

    Was gilt als rentenversicherungspflichtiges Arbeitseinkommen, wenn ich neben meiner VHS-Dozentinnen-Tätigkeit noch andere selbstständige Tätigkeiten ausübe?
    Rentenversicherungspflichtig ist nur das Arbeitseinkommen aus selbstständiger Lehrtätigkeit! Bei anderen Einkommen – z.B. Übersetzungstätigkeiten – muss eine getrennte Gewinnermittlung vorgenommen werden, wenn dafür keine Rentenversicherungsbeiträge anfallen sollen.

    Was ist, wenn ich als Musiker, Künstler o.ä. schon Mitglied der Künstlersozialkasse (KSK) bin?
    Die Künstlersozialkasse gilt auch für Dozenten in Kunst, Musik, Publizistik. Der Vorteil: in der Künstlersozialkasse fallen für Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung nur die Arbeitnehmerbeiträge an – also etwa die Hälfte der Beiträge für freie Lehrkräfte.

    Jedoch ist Folgendes zu beachten: wenn man fachfremd unterrichtet also außerhalb der Berufe, die von der KSK als künstlerisch eingestuft sind – darf man nur geringfügig dazu verdienen (max. 450€ / Monat), andernfalls wird man aus der KSK ausgeschlossen.

    Muss ich mich als VHS-DozentIn bei der Rentenversicherung melden?
    Ja - aber nur, wenn das Arbeitseinkommen (= Gewinn) mehr als 5.400 € im Jahr beträgt. Da die Rentenversicherung auch Betriebsprüfungen bei den Weiterbildungsträgern und bei einzelnen DozentInnen auch „Verdachtsprüfungen“ macht, ob die Rentenversicherungsbeiträge korrekt abgeführt wurden, ist das unbedingt einzuhalten – ggf. auch nachträglich.

    Worauf muss ich bei der Meldung bei der Rentenversicherung achten?
    Wer noch andere Honorare für nicht-unterrichtliche Tätigkeiten z.B. Übersetzungen (nicht rentenversicherungspflichtig!) bezieht, sollte dies in der Steuererklärung getrennt angeben. Sonst kassiert die Rentenversicherung für alle Honorartätigkeiten Beiträge. Der Steuerbescheid ist Grundlage für die Festlegung der Rentenversicherungsbeiträge.

    Kann die Rentenversicherung Nachzahlungen von mir verlangen?
    Ja, wenn in den Vorjahren das Einkommen als freiberufliche Lehrkraft nicht angemeldet worden ist. Die RV kann bis zu vier Jahren rückwirkend die Beiträge erheben, bei Verdacht auf vorsätzliche Nichtzahlung sogar bis zu 30 Jahren. Bei Nachzahlungen kann mit der Rentenversicherung allerdings ein Ratenzahlungsplan ausgehandelt werden.

    Kann die Rentenversicherung Vorauszahlungen von mir verlangen?
    Ja, wenn regelmäßig rentenversicherungspflichtige Einnahmen erzielt werden, kann die Rentenversicherung laufende monatliche Abschlagszahlungen verlangen.

    Gibt es weitere Besonderheiten bei der Rentenversicherung?
    Ja. Es gibt einen „Regelbeitrag“ zur gesetzlichen Rentenversicherung, der mit rund 500 Euro pro Monat relativ hoch ist. Wer ein niedriges Einkommen hat, kann formlos beantragen, einkommensgerechte Beiträge zu zahlen, und wird dann mit 18,6 Prozent (Stand: 2018) des tatsächlichen Einkommens aus der Lehrtätigkeit eingestuft (Vorlage des Steuerbescheides erforderlich).

    Außerdem: Berufsanfänger in den ersten drei Jahren nach Gründung(also nach der Anmeldung beim Finanzamt) brauchen nur den halben Regelbeitrag zu zahlen.

    Wo gibt es für mich Beratung bezüglich meiner Rentenversicherung?
    Der VHS-Kursleiterrat (KLR) berät die VHS-Kursleitenden sowohl über die Rentenversicherung wie auch über Kranken-/Pflegeversicherung, Steuern und vieles mehr. Dazu gibt es Informationen und Tipps

    - auf der Webseite des KLR: www.vhs-dozenten-hb.de
    - bei schriftlichen Anfragen beim KLR : info@vhs-dozenten-hb.de
    - bei den Sprechstunden des Kursleiterrats, Termine auf der Startseite, im Kursleiterraum (EG hinter Cafeteria) der VHS Faulenstraße
    - sowie in den Ratgebern des VHS-Kursleiterrates, der GEW und des DGB.

    Eine direkte Beratung ist auch möglich bei den DGB-Gewerkschaften und der Deutschen Rentenversicherung in Bremen.

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    03/2018 - Thema Steuern:

    Was darf ich - was muss ich als VHS-DozentIn?

    Bei einem Minijob neben meinem Hauptberuf muss ich bis 450 € / Monat keine Steuern zahlen – gilt das auch für meine VHS-Honorare?
    Nein, Honorare von „Freiberuflern“ unterliegen fast immer der Steuerpflicht! Sie müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Ab 1.500 € Honorar im Jahr macht die VHS auch eine Kontrollmitteilung an das Finanzamt. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Bei VHS-Honoraren bis 2.400 € kann die Ehrenamtspauschale / „Übungsleiterpauschale“ für Unterricht/Erziehung in einer öffentlichen/gemeinnützigen Einrichtung in Anspruch genommen werden. Bis 2.400 € / Jahr sind steuerfrei. Jedoch können bei diesen 2.400 € auch keine „Betriebsausgaben“ gegengerechnet werden.

    Sind meine VHS-Honorare bis 450 € im Monat steuerfrei, wenn ich keine andere Beschäftigung ausübe? Ab wann fallen Steuern an?

    Im Prinzip ja, wenn es keine anderen Einnahmen (z.B. Miete, Rente/Pension …) gibt. Der>steuerliche Freibetrag für Einkommen liegt für2018 bei 9.000 € /Jahr – also durchschnittlich 750 € im Monat.

    Wie muss ich meine VHS-Honorare versteuern, wie kann ich Steuern sparen?
    Zuerst einmal gibt es den steuerfreien „Übungsleiterfreibetrag“ (siehe oben) von 2.400 € /Jahr und den steuerlichen Freibetrag von 9.000 €/Jahr (siehe auch oben). Wenn das „ausgeschöpft“ ist, also mehr Honorar erwirtschaftet wurde, gilt: Das zu versteuernde Einkommen bei VHS-Honoraren ist der „Gewinn“ aus den VHS-Honoraren, also Einkünfte/Honorare abzüglich der Betriebsausgaben (z.B. für Fahrtkosten, Büro- und Unterrichtsmaterial, Fachliteratur/ -zeitschriften/ -software, Computer, Gewerkschaftsbeitrag, Fortbildung einschließlich Reisekosten, ggf. Arbeitszimmer).


    Kann ich pauschal 25% Betriebsausgaben bei meinen VHS-Honoraren für die Steuer abrechnen? Nur bis zu einer Gesamthöhe von maximal 614 € im Jahr(!) – also bis maximal 2.456 € Honorar im Jahr. Davon müssten dann 2.456 € - 614 € = 1.842 € Honorar versteuert werden. Im Regelfall sind die 2.400 € steuerfreie (!)„Übungsleiterpauschale> da sinnvoller.

    Muss ich Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer für meine VHS-Honorare zahlen?
    Nein,VHS-Honorare oder von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen und (Hoch-)Schulen sind von der Umsatzsteuerpflicht befreit.


    Was bedeutet die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung für mich als VHS-DozentIn?
    Die „Kleinunternehmerregelung“ gilt für umsatzsteuerpflichtige Gewerbe – also nicht, wenn man/frau nur VHS-DozentIn ist. Jedoch kann sie für andere freiberufliche Tätigkeiten auf Honorarbasis neben der VHS-Tätigkeit wichtig sein, z.B. wenn ich zusätzlich Übersetzungen, private Seminare, Verwaltungsaufgaben o.ä. mache.

    Wenn die Honorare (Umsätze) für diese Tätigkeiten unter 17.500 € im Jahr liegen, bin ich „Kleinunternehmer“ und damit von der Umsatzsteuerpflicht befreit.

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    Wer noch weitere Fragen zu Steuern, Sozialversicherung, Rechten und Pflichten von VHS-DozentInnen hat – einfach an uns schreiben!

    Wir werden mit Unterstützung der GEW möglichst schnell die Fragen klären und beantworten!

    Euer VHS-Kursleiterrat